Die Kleidung der keltischen Frau

In der Rekonstruktion der keltischen Frauen- und Mädchentracht beschränke ich mich auf die Fibelfundlage in Gräbern, auf die Stoffe und Farben die für diese Zeit in Frage kommen und auf die Schnitte der Trachten die mit möglichst geringen Näh- und Materialaufwand hergestellt werden können. Hier zeige ich euch einige einfache Schnitte für Sommer- und Winterkleidung, sowie die Trageweise der einzelnen Trachtbestandteile.

die frühe Laténe Zeit

Hier trage ich eine handgenähte Bluse aus Leinen, wobei die Braunfärbung in der damaligen Zeit mit Walnüssen (Schalen und Wurzeln) und Flechten hergestellt werden konnte.

    

Der Schnitt ist ein einfacher Tunikaschnitt mit gerade angesetzten Ärmeln. Der Ausschnitt wurde zweimal überschlagen und mit ca. 1 cm großen Stichen festgeheftet. Die geraden Teile habe ich ebenso 2 mal umgeschlagen und festgeheftet. Dann wurden die Teile mit dem Überwendelungsstich zusammengenäht. Bei der Länge der Ärmel und des Leibes habe ich einfach nur die Querfäden herausgezogen. Der Rock ist ein einfaches Rechteck aus grobem Leinen (blau / Färberwaid) der über der Taille umgeschlagen ist. Der Rock wird mit den Fibeln (Schuhfibeln) an der Taille vor dem Anlegen des brettchengewegbten Gürtels befestigt. Eine weitere Fibel am Oberschenkel verhindert das ‚Aufklaffen' des Rockes. Für diese Zeit typisch ist die gelbe Glasperlenkette aus 13 walzenförmigen Schichtaugenperlen mit noppenartigen Erhebungen.

    

Diese Tunika aus naturfarbenem Leinen kann mit einem Schnitt hergestellt werden - mit minimalstem Materialaufwand - bei dem kein kostbares Gewebe verloren geht. Der Saum ist mit einer braunen Borte in Kammwebetechnik verziert. Der Gürtel ist aus Leder mit einem durchbrochenen Gürtelhaken aus Eisen. Als Schmuck am Gehschlitz trage ich eine Pferdchenfibel, wohl um auch nicht zu viel Bein zu zeigen. Nach Belieben könnte zu diesem Kleid auch noch ein Unterkleid getragen werden. Die Ketten sind hier aus Bernstein und Glasperlen - der Bärenzahn könnte ein Schutz-Amulett für Frauen und Kinder gewesen sein.

    

Der gelbe schmale Peplos über meiner braunen Bluse ist ebenfalls aus Leinen und könnte mit Färberwau, Färberscharte oder Zwiebelschale gefärbt worden sein. Die beiden Rechtecke werden an der Hüfte zusammengenäht. Der Saum und der Umschlag wurden wieder mit Kammwebe verziert. An den Schultern wird das Kleid einmal umgeschlagen und mit 2 Fibeln zusammengehalten. Dazu trage ich einen prächtigen Brettchengürtel. Die kleine Kette ist aus Bernstein - die längere Kette besteht aus Bernstein, gelben Schichtaugenperlen, Korallen und Kauri-Schnecken.

    

Dieser Peplos ist eine einfache Röhre, die mit einer einzigen Naht zusammengenäht wurde. Wichtig für das angenehme Tragen ist die richtige Breite. Der Stoff sollte bei angewinkelten Armen mindestens von Ellenbogen zu Ellenbogen + je 10 cm reichen. Der Stoff ist aus sehr feiner Wolle in Panama-Webe. Die Fäden sind braun und grün, wobei der Grünton mit einer Mischung aus Färberwau und Birkenblätter erreicht werden konnte. Der Peplos wird wieder mit 2 Fibeln an den Schultern zusammengehalten - hier ohne Umschlag - und gegürtet. Die Ketten sind aus Bernstein.

Winterkleidung

Für die Wintertuniken habe ich warme Wollstoffe in Panama-Bindung verwendet.

      

Die Schnitte entsprechen dem des naturfarbenen Leinenkleides - jedoch wurden keine Gehschlitze gelassen. Da ich die Tuniken etwas kürzer in der Länge gehalten habe wirkt sich die geringere Weite nicht störend aus. Die Ärmellängen sind mit Brettchenborte verziert - bei einer Tunika habe ich den Umschlag in der Länge zusätzlich mit Stielstich bestickt. Der Halsausschnitt wurde mit dem Knopflochstich eingefasst. Über die Schultern wird ein breiter Schal aus dem gleichen Material getragen, der an den Schultern mit Fibeln befestigt wird. Auch kann er einseitig zusammengesteckt werden, so dass die Enden lose über eine Schulter getragen werden können. Für die kalten Tage können mehrere Tuniken übereinander getragen werden.

Für warme Füße habe ich in den Schuhen Einlagen aus Schafwolle. Die Socken und die Beinlinge aus Filz haben sich auch schon bei kaltem Regenwetter und Schneesturm bewährt.

    

Unsere Mäntel Filz/Loden und haben eine einfache Rechteckform. Wir tragen sie hier einmal übergeschlagen und haben sie mit großen Fibeln verschlossen. Der Überschlag kann über dem Kopf auch als Kapuze dienen.